Bürgerwissenschaftler leisten wichtigen Beitrag zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen während sich die Jagddebatte verschärft

Medienmitteilung – 27. January 2026
(Version auf Englisch)

Wolf (c) Christiane Flechtner

Die von Biosphere Expeditions durchgeführte Wolfsschutz-Expedition 2025 hat erneut einen wichtigen Beitrag zum offiziellen Wolf-Monitoring-Programm in Niedersachsen geleistet. Die seit 2017 jährlich stattfindenden Bürgerwissenschafts-Expeditionen sammeln weiterhin Daten, die in manchen Jahren die jährliche Datenmenge im Bundesland Niedersachsen verdoppelt haben.

Vom 5. bis 18. Juli 2025 untersuchten 19 Bürgerwissenschaftler mehrere Wolfsgebiete und legten dabei in zehn Erhebungstagen mehr als 650 Kilometer zurück.

Wolf-Monitoring vs. Wolfsjagd

„Die derzeit umstrittenen Pläne zur Wolfsjagd machen dieses Monitoring besonders wichtig“, sagt Peter Schütte von Herdenschutz Niedersachsen, der Initiator des Projekts. „Zahlreiche internationale Erfahrungen und Studien zeigen, dass die Jagd kein Ersatz für Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren ist.“

Unter strikter Einhaltung des offiziellen Monitoring-Protokolls des Landes sammelten die Teams 79 Wolfskotproben, darunter 13, die für eine DNA-Analyse geeignet sind. Alle Proben werden auch auf Beutetierrieste analysiert.

Bürgerwissenschafftler und -innen liefern Qualitätsdaten

Die Expeditionswissenschaftlerin Charlotte Steinberg sagte, das in dieser Saison gesammelte Material sei besonders wertvoll: „Die Qualität der Proben ist sehr hoch und sowohl die genetischen, als auch die Ernährungsdaten werden direkt in das staatliche Monitoring-Programm einfließen.“

Die Analyse der Ernährung aus mehreren Expeditionsjahren zeigt durchweg, dass Wildtiere den Hauptteil der Ernährung der Wölfe ausmachen. Die Kotproben enthalten praktisch keine Nutztier-Knochen – eine wichtige Erkenntnis für faktenbasierte Diskussionen über Naturschutz und Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren.

Große Auswirkungen auf Forschung und Datenerfassung seit 2017

Seit Beginn des Projekts im Jahr 2017 haben die Teams von Biosphere Expeditions über 1.000 verifizierte Einträge in die staatliche Wolfsüberwachungsdatenbank aufgenommen, wodurch einzelne Wölfe identifiziert und neue Erkenntnisse über die Entwicklung und Verbreitung von Rudeln gewonnen werden konnten. Der vollständige wissenschaftliche Expeditionsbericht für 2025 wird für die erste Hälfte des Jahres 2026 erwartet und wird alle Ergebnisse zusammenfassen und analysieren. Der Bericht reiht sich damit ein in alle anderen Jahresberichte und wissenschaftlichen Publikationen, die die Expedition bisher veröffentlicht hat.

Daten vs. Emotionen in der Jagddebatte

Dr. Matthias Hammer, Gründer und Geschäftsführer von Biosphere Expeditions, fasst zusammen: „Als das Wolfsprojekt 2017 begann, gab es verständlicherweise Unsicherheiten darüber, welche Rolle gut ausgebildete Freiwillige beim offiziellen Monitoring spielen können. Im Laufe der Zeit, als die Datenqualität offensichtlich war und die Zusammenarbeit mit behördlichen Partnern klappte, wurde das Projekt zu einem akzeptierten Bestandteil des Wolfs-Monitoring in Niedersachsen. Damit muss es sich nun nicht neben unseren vielen anderen Erfolgen im weltweiten Naturschutz verstecken und ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie Citizen Science den evidenzbasierten Naturschutz verbessern kann. Dies ist besonders wichtig, da die deutsche Regierung nun ein Gesetz unterstützt, das den Schutzstatus von Wölfen herabsetzt und sie wieder zu Jagdobjekten macht.“

ENDE


HINWEISE FÜR REDAKTEURE

Kontakt: Dr. Matthias Hammer, m.hammer@biosphere-expeditions.org

Artikel vom 22. Januar 2026 in TierWelt (Schweiz) über die Expedition I Weitere Artikel

Die nächsten Wolfs-Expeditionen in Niedersachsen finden vom 4. bis 10. Juli 2026 und vom 11. bis 17. Juli 2026 statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Biosphere Expeditions Webseite.

Biosphere Expeditions ist in erster Linie eine gemeinnützige Organisation zum Schutz der Tierwelt, die sich auf Wissenschaft und Bürgerwissenschaft stützt. Unser Planet befindet sich in einer Krise, die Natur ist wie nie zuvor bedroht. Wir glauben, dass jeder die Macht hat, dies zu ändern. Wir achten auf die Natur und stärken Menschen durch Bürgerwissenschaft und praktischen Naturschutz. Wir sind eine gemeinnützige, visionäre, preisgekrönte und ethische Naturschutzorganisation. Wir sind Mitglied der IUCN, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und der European Citizen Science Association. Seit 1999 arbeiten wir Hand in Hand mit lokalen Biologen und Gemeinden, setzen uns für Veränderungen ein und schützen die Natur. Und wir sind erfolgreich – die Schaffung von Schutzgebieten auf vier Kontinenten ist nur ein Beispiel für unsere vielen Erfolge.

Bürgerwissenschaft wird definiert als „Beteiligung der Öffentlichkeit an wissenschaftlicher Forschung“. Sie ist ein wichtiges Instrument zur Demokratisierung der Wissenschaft und zur Förderung des Ziels eines universellen und gerechten Zugangs zu wissenschaftlichen Daten und Informationen. Darüber hinaus sind die von Bürgerwissenschaftsgruppen generierten Daten zu einer immer wichtigeren Quelle für Wissenschaftler, angewandte Nutzer und diejenigen geworden, die die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verfolgen. Insbesondere im Naturschutz hat die internationale Bürgerwissenschaft als doppelter Daten- und Finanzierungsstrom zunehmend an Bedeutung gewonnen.

RESSOURCEN

Online-Pressemappe mit Bildarchiv, Pressemitteilungen und Nachrichten, Informationen zu Pressereisen usw. http://www.biosphere-expeditions.org/availability

Liste bevorstehender Expeditionen (Pressereisen werden 4–8 Wochen im Voraus verfügbar).

Jahresmagazin Biosphere Expeditions mit Berichten aus der Praxis, Erfolgen usw.

Wolf (c) Theo Grüntjens
Die Expeditionswissenschaftlerin Charlotte Steinberg (links) untersucht Kotproben zusammen mit dem lokalen Wolfsberater Kenny Kenner.
Zwei Bürgerwissenschaftlerinnen untersuchen eine Wolfs-Losung.

Diese und andere Bilder in HD. Bildunterschriften auf auf Anfrage.

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